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Start Presse 2007 DIE WELT, 21.09.2007

DIE WELT, 21.09.2007

DIE WELT, 21. September 2007

Bootsfahrt: Großstadtlichter im Fluss
Am Anfang klicken die Digitalkameras noch häufig. Dann lässt das langsam nach. Staunend blicken die Gäste in die einbrechende Dunkelheit und vertrauen lieber ihren Augen: An Bord einer Barkasse der Aktion „Flusslicht" geht es einmal quer über die Elbe, aber dann hinein in den Reiherstiegkanal, wasserwärts durch Wilhelmsburg.


Eine alle Sinne animierende Fahrt in ein Gebiet, das den meisten Hamburgern fremd sein dürfte. Und ein weiterer Beitrag zum Wilhelmsburger Kultursommer, mit dem die kommende Internationale Bauausstellung 2013 um Zuspruch wirbt. Auch diese Aktion ist daher dem Sujet der Erkundung verpflicht: Kommt her, Leute, schaut euch in Wilhelmsburg um; Kunst gibt's gratis dazu. Die Installation „No Man is an Island“ der Wahl-Wilhelmsburgerin Elisabeth Richnow etwa, mit ihrer sozialen Dimension: Sie hat ein kleines, blaues Zelt auf einem aus dem Wasser ragenden und eigentlich unerreichbaren Betonsockel aufgestellt, genutzt oft von Obdachlosen, wenn diese mitten in der City auf einem Rasenstück campieren. Einfach nur schön ist Katrin Bethges „Mobile“: Kreise und Linien flirren über das Dach einer Halle und leuchten durch die Nacht. Witzig wiederum „Der Sprung“ von Til Schwieker: In einer nicht mehr benötigten Lagerhalle hüpft, dreht und überschlägt sich freudig ein Trampolinspringer via Videoprojektion. „Das kann alles noch ausgebaut werden“, sagt Initiator Mathias Lintl und meint die Kunst, aber auch die Orte. Viele der ansässigen Werften und Betriebe zeigten sich zwar interessiert, konnten sich dann aber doch nicht durchringen, Gelände und Gebäude zur Verfügung zu stellen. Manchmal versandeten die Anfragen einfach. Das Hafengewerbe und die Kunst, beide müssen sich noch aneinander gewöhnen.

 

Sie sollten damit nicht zu lange warten.

Während der kommenden Jahre wird sich diese lieblich-groteske Szenerie entlang der Argentinienbrücke bis hin zum Rethebecken gewaltig verändern. Der boomende Hafenhandel braucht Platz, viele der Brachen auf dem Westufer werden in den nächsten Jahren bebaut. Die Rethe-Hubbrücke etwa, die immer mehr unter dem wachsenden Lkw-Verkehr ächzt, ist für den Abriss ebenso vorgesehen wie die Ellerholz-Schleuse. So erzählt die Aktion „Flusslicht“, die in den kommenden Sommern fortgesetzt werden soll, mit ihren eigens beleuchteten Kränen, ihren angestrahlten Speichern und ihren Installationen auch vom Wandel der Arbeitswelt. Kaum wiederentdeckt, bestaunt und genossen, wird dieses Ensemble aus Traditionswerften, Öltanks, wilden Ecken und sich in alten Kaimauern festkrallenden Büschen und Bäumen weitgehend von Containern monochrom überzogen werden, zwischen denen nur noch wenige Menschen arbeiten. Dazu passt, dass es auf der Rückfahrt noch einmal an Deutschlands einzigem Frachtsegler vorbei geht: Der gehört inzwischen einem Jugendhilfeprojekt.

Flusslicht: täglich bis 30. September. Die Schiffe fahren ab Landungsbrücken / Brücke Hafentor, jeweils 19.30 Uhr, 20.30 Uhr, 21.30 Uhr, 22.30 Uhr. Telefonische Anmeldung unter: 690 897 40. Teilnahme: 14 Euro Weitere Infos: www.flusslicht.de

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